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Das Tinnitus-Hyperakusis-Zentrum Bremen
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Die Tinnitus-Retraining-Therapie – Empfehlung der ADANO vom 01.04.2000

Erarbeitet durch die Arbeitsgruppe „RETRAINING“

Vorsitz: H. von Wedel (Köln), E. Biesinger (Traunstein), G. Goebel (Prien), V. Greimel (Salzburg), G. Hesse (Bad Arolsen). T. Lenarz (Hannover), H. Seidler (Neunkirchen), K. Seifert (Neumünster), M. Strahl (Düsseldorf) der Kommission „Audiometrie und Hörprothetik“ der ADANO.

 

1.) Definition der Tinnitus-Retraining-Therapie

 

Retraining ist ein Konzept zur ambulanten Therapie des dekompensierten Tinnitus, welches auf der Basis umfassender Diagnostik durch HNO-Ärzte (s. Leitlinie 44 „Ohrgeräusche“) ausgehend von den Modellvorstellungen von Jastreboff u. Hazell eine interdisziplinäre Therapie einleitet, die unter fakultativer Zuhilfenahme psychotherapeutischer sowie akustisch-apparativer Behandlungsmaßnahmen den Patienten in enger Anbindung weiter betreut. Das Konzept setzt die aktive Mitarbeit des Patienten voraus.

 
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2.) Indikation zur Tinnitus-Retraining-Therapie

 

Die Indikation zur Retraining-Therapie wird durch den HNO-Arzt gestellt. Sie kann bestehen, wenn

 

  der Tinnitus zu einer Beeinträchtigung des Erlebens und/oder des Verhaltens des Patienten führt,

  andere kausale Behandlungsmaßnahmen ausgeschöpft oder nicht indiziert sind,

  in dem durch die ADANO empfohlenen Tinnitus-Screeningfragebogen (Mini-TF nach Goebel u. Hiller 1999, oder TBF-12 von Greimel et al. 1999) oder dem klinischen Rating in 4 Gruppen (nach Biesinger 2000) oder dem Tinnitus-Fragebogen nach Goebel u. Hiller (1998) ein adäquater Schweregrad unter Berücksichtigung der Leitlinien 44 vorliegt.

  Die Indikation zur Tinnitus-Retraining-Therapie ist auch bei Hyperakusis gegeben.

 
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3.) Elemente der Tinnitus-Retraining-Therapie

 

3.1 Grundmodul: weiterführende Diagnostik und ausführliche Beratung (Counselling)

  Weiterführende, im Einzelfall sinnvolle HNO-ärztliche Tinnitusdiagnostik

  Tinnitus-Fragebogen nach Goebel u. Hiller zur Ermittlung des Schweregrades und als Basis der Therapiekontrolle

  Psychologische Diagnostik inkl. Testpsychologie (aktuelle Symptomatik, Folgebeeinträchtigung, Ressourcen etc.)

  Erste eingehende Beratung („Counselling“) und Erarbeitung eines individuellen Tinnitusätiologie und -therapiemodells nach vorausgegangener Teambesprechung.

3.2 Folgemodul: Retraining und Retraining-Therapie-Verlaufsphase

  Entscheidung, Einleitung und ggf. Verordnung der apparativ-akustischen Maßnahmen (Hörsysteme, Tinnitus-Masker, Tinnitus-Instrument) durch den HNO-Arzt in enger Zusammenarbeit mit einem Hörgeräteakustiker.

 
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  Weiterführend regelmäßige Beratungen durch den HNO-Arzt und/oder den ärztlichen bzw. nichtärztlichen Psychotherapeuten inkl. der entsprechenden Verlaufsdiagnostik, in der Regel über 18 Monate (Tinnitusanalysen – jährlich, Audiogramm, Tinnitusfragebogen – jährlich etc.).

 

4.) Konsultationen und Ergebnisse

  Die Konsultationen und Ergebnisse sollen im Rahmen eines durch die ADANO empfohlenen Tinnituspasses zur internen Qualitätssicherung und Gewährung der wissenschaftlichen Auswertung dokumentiert werden.

 

5.) Ausbildung und Qualifikation des Therapeutenteams

  Die Therapeutenteams (HNO-Arzt – ärztlicher bzw. nichtärztlicher Psychotherapeut) sollen in entsprechenden Schulungen gemeinsam ausgebildet werden. Die Schulungen werden von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe "Retraining" organisiert, die Kursprogramme aufeinander abgestimmt und dezentral durchgeführt.

 
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Bei Nachweis entsprechender Kenntnisse und Voraussetzungen erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das sie als Team berechtigt, die Tinnitus-Retraining-Therapie nach den oben beschriebenen Qualitätsanforderungen durchzuführen.

 

Literatur

 

1. Biesinger E (2000) Klinisches Rating und Tinnituspass. Erhältlich bei Dr. E. Biesinger, Maxplatz 5, 83278 Traunstein

2. Goebel G, Hiller W (1999): Der MiniTinnitus-Fragebogen (Mini-TF). Erhältlich bei Priv.-Doz. Dr. G. Goebel, Klinik Roseneck, 83209 Prien

3. Goebel G, Hiller W (1998): Tinnitus-Fragebogen (TF). Ein Instrument zur Erfassung von Belastung und Schweregrad bei Tinnitus. Hogrefe, Göttingen Bern Toronto Seattle

4. Greimel V, Leibetseder M, Unterrainer J, Albegger K (1996) Ist Tinnitus messbar? Methoden zur Erfassung innitusspezitischer Beeinträchtigungen-Fragebogens (TBF-12). HNO 47: 196-201

 
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